Ein Thema, das viele beschäftigt, ist die Frage: Soll ich als Psychologischer Berater online oder offline arbeiten?
Im Bereich der psychologischen Beratung und Therapie gibt es viele (meist veraltete) Vorurteile gegenüber der Online-Beratung. Ich arbeite seit Jahren ausschließlich online und bin ein großer Verfechter dieser Form. Warum?
1. Reichweite: weltweit statt nur lokal
Wer eine physische Praxis hat, arbeitet lokal. Gerade wer sich auf eine Fachrichtung spezialisiert, profitiert enorm von der großen Reichweite. Klient:innen wollen heutzutage Berater:innen, die genau auf ihre Probleme maßgeschneidert sind. Im lokalen Umfeld ist die Anzahl potenzieller Kund:innen mit genau deiner Spezialisierung jedoch eingeschränkt. Dadurch musst du überregional operieren, um erfolgreich zu sein.
2. Der Markt der Zukunft — fast jeder ist online
94 % der Deutschen waren 2021 online unterwegs. Das Web bringt fast jeden Service direkt zu den Kund:innen nach Hause. Wer in den letzten Jahren nicht auf diesen Zug aufgesprungen ist, tut sich heute schwer — es sei denn, die Dienstleistung ist zwingend offline zu erbringen. (Online-Haarschnitt wird zum Beispiel schwierig.)
3. Kosten
Mietkosten für eine Praxis, Anfahrtskosten für dich und deine Klient:innen, Büroeinrichtung, Empfangskraft, Nebenkosten — und und und. Oder: ein Zoom-Abo für rund 14 € im Monat.
Das soll keine Werbung für Zoom sein, du darfst gerne über andere Plattformen arbeiten. Aber das Beispiel zeigt, wie enorm der Preisunterschied sein kann. Die Investitionskosten sind so niedrig, dass du dir praktisch ohne Risiko und ohne Druck nebenher eine Selbstständigkeit aufbauen kannst.
4. Online-Beratung ist extrem flexibel
Du kannst problemlos unterschiedliche Settings durchführen (1:1, 1:2, 1:100…). Gruppen sind aufgrund ihrer hohen Effektivität mittlerweile sehr verbreitet im Coaching und in der Therapie. Lokal eine gut abgestimmte Gruppe zu finden, gestaltet sich oft schwierig. Online kannst du auf einen viel größeren Pool potenzieller Teilnehmer:innen zugreifen und eine fein abgestimmte Gruppe zusammenstellen.
Du kannst darüber hinaus neben klassischer Beratung auch Kurse geben, Medien wie Präsentationen oder Videos einbinden und Kurse aufzeichnen und als Pakete vermarkten. Außerdem hilft es vielen Klient:innen, Sitzungen im Nachhinein nochmal anzuschauen — die Aufzeichnung einer Online-Beratung ist dabei deutlich einfacher.
5. Niedrige Hemmschwelle für die Klient:innen
Für viele potenzielle Klient:innen ist die Hemmschwelle, in eine Praxis zu gehen, deutlich höher als eine Beratung online in den eigenen vier Wänden zu beginnen. Das ist besonders für Menschen wichtig, die sich zum ersten Mal Hilfe holen.
6. Menschen in toxischen Beziehungen werden häufig kontrolliert
Wer sich auf Opfer toxischer Beziehungen spezialisiert, weiß: Für viele Betroffene ist es nicht einfach, das Haus unbemerkt zu verlassen. Die einzige Option ist daher häufig eine Online-Beratung. Meine Klient:innen geben als Ausrede oft eine berufliche Fortbildung oder eine Weiterbildung in einem Hobby an. Ohne den Online-Zugang würden viele die Hilfe gar nicht erst erreichen.
Fazit
Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Erkenntnisse zu der Frage schenken, ob du lieber online oder offline als Psychologischer Berater arbeiten solltest. Für mich ist die Antwort seit Jahren klar — und die Tatsache, dass die gesamte Ausbildung bei Psykadia bewusst online stattfindet, ist kein Zufall.